Julian Schutting

Bestand

Der Vorlass von Julian Schutting (Umfang ca. 10 Umzugskartons) wurde im Juli 2016 übernommen. Zentral ist der große Anteil an Manuskripten (Texte, Tagebuchähnliche Aufzeichnungen, Skizzen, Notizen), von denen viele noch unveröffentlicht sind. Teil des Bestands ist aber auch der fotografische Vorlass, der den Werken zuzuordnen ist. Interessante Fotografien (u. a. von Hilde Spiel) befinden sich aber auch in der umfangreichen Sammlung von Lebensdokumenten. Zur Recherche in diesem Bestand stehen Listen zur Verfügung, die wir auf Anfrage auch zusenden.

Vorlass Julian Schutting

Zeitraum: 1953–2014

1. Werke

  • Frühe und unveröffentlichte Texte, 1955–2014 (5 Tage- bzw. Notizbücher, 41 Textkonvolute, insg. 1859 Bl.)
  • „Nachlasstexte“, zur Veröffentlichung bestimmt, ca. 1975–2012 (162 Textkonvolute, insg. 1254 Bl.)
  • Manuskripte, ca. 1970–2014 (42 Hefte bzw. Notizbücher und Schreibblöcke, 759 Textkonvolute; insg. 11.114 Bl.)
  • Fotografischer Vorlass, ca. 1995–2010 (Negative von 91 Farbfilmen), 1882 Fotos

2. Korrespondenz

  • Zeitraum: 1967–2014 (365 Stück)

3. Sammlungen    

  • Veröffentlichungsbelege (1970–2014): 140 Stück
  • Fotos (1954–2014): 1817 Fotos, 299 Negative, 1 Scherenschnitt, 1 Postkarte, 26 Ansichtskarten
  • Dokumente und Materialien (1955–2014): 154 Stück
  • Tonaufnahmen, Videos, digitales Datenträger (1979–2013): 39 Stück

Katalogsuche


Der Bestand des Archivs der Zeitgenossen ist teilweise bereits im Österreichischen Verbundkatalog für Nachlässe, Autographen und Handschriften nachgewiesen. Digitalisierte Bestandsmaterialien (einschließlich AV-Medien) können auf elektronischem Weg übermittelt werden. Für die Suche nach Materialien, die noch nicht erschlossen wurden, ersuchen wir Sie, uns zu kontaktieren.

Wissenschaftliche Bearbeitung

Dr. Christine Grond

 

 

Biografie

Am 25. Oktober 1937 wird Julian Schutting in ein naturwissenschaftlich orientiertes Elternhaus in Amstetten (Niederösterreich) hineingeboren: der Vater Tierarzt und Jäger, die Mutter Tochter eines Forstmeisters. Einzig die Großmutter mütterlicherseits übte als Opernsoubrette in Köln ursprünglich einen künstlerischen Beruf aus. Schuttings Kindheit ist von der NS-, Kriegs- und Nachkriegszeit in der Kleinstadt geprägt, was später in vielen seiner Bücher thematisiert wird.

Nach den ersten 15 Lebensjahren in Amstetten wechselt Schutting 1953, nach der 5. Klasse Gymnasium, an die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt nach Wien. Sein Lehrer Ernst Hartmann, Leiter der Fotografie-Klasse, erkennt das künstlerische Potenzial und animiert seinen Schüler zu schreiben. So entstehen bereits Mitte der Fünfzigerjahre erste Gedichte und Kurzprosatexte.

Die Ausbildung an der „Graphischen“ ist für Schuttings spätere Literatur von entscheidender Bedeutung, den Beruf des Fotografen übt er allerdings nicht aus. Stattdessen legt er 1959 die Externistenmatura ab und beginnt an der Universität Wien Geschichte und Deutsch zu studieren. 1963 dissertiert er über ein rechtshistorisches Thema. Trotz der anschließenden Ausbildung am Institut für Österreichische Geschichtsforschung entscheidet er sich gegen die wissenschaftliche Laufbahn und legt die Lehramtsprüfung für Deutsch ab. Nach dem Probejahr 1965 unterrichtet Schutting (bis 1987) am Technischen Gymnasium in Wien.

Nachdem er Mitte der 1960er-Jahre wieder intensiver zu schreiben begonnen hat, werden besonders Hilde Spiel und Hans Weigel auf ihn aufmerksam. 1971 erhält Schutting ein Staatsstipendium für Literatur, im selben Jahr wird ihm auch der Förderungspreis zum Österreichischen Staatspreis in der Sparte Lyrik zugesprochen – obwohl er bis dahin noch kein einziges Buch veröffentlicht hat. Zwei Jahre später debütiert er mit einem Lyrik- und einem Prosaband: Bei Otto Müller erscheint 1973 der Gedichtband in der Sprache der Inseln und im Europaverlag unter dem Titel Baum in O. eine Sammlung Kurzprosatexte. Ein Jahr später ist er bereits Hausautor des Residenz Verlages und zählt zu den wichtigsten Vertretern der Avantgarde in Österreich.

In seiner Lyrik setzt Schutting experimentelle und klassische Formen ein, mit seiner Prosa tritt er gegen das herkömmliche Erzählen auf, dabei orientiert er sich stark an Musil und Wittgenstein, die Darstellung komplexer Vorgänge und exakte Deskription bestimmen seine Poetik. Schwerpunktthemen seines Werkes, das mittlerweile über 50 Buchveröffentlichungen umfasst, sind die Liebe, Natur- und Alltagsbeobachtungen sowie sprachphilosophische Betrachtungen. Daneben schreibt Schutting auch Hörspiele und szenische Dialoge und arbeitet in den letzten Jahren vor allem an tagebuchartigen Reflexionen, die den Blickwinkel des beobachtenden Schriftstellers und Flaneurs poetisieren. Seit 2007 erscheint sein Werk hauptsächlich im Verlag Jung und Jung in Salzburg.

Julian Schutting lebt in Wien.

Preise und Auszeichnungen:

2015 Gert-Jonke-Preis

2013 Biennaler Buchpreis der Salzburger Wirtschaft

1997 Ehrenzeichen in Gold für Verdienste um das Land Wien

1989 Georg-Trakl-Preis für Lyrik des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst

1988 Würdigungspreis des Landes Niederösterreich

1983 Anton-Wildgans-Preis der Österreichischen Industrie

1981 Würdigungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Literatur

1974 Kulturpreis der Stadt Amstetten

1974 Förderungspreis der Stadt Wien

1973 Förderungspreis des Landes Niederösterreich

1971 Österreichischer Förderungspreis für Literatur in der Sparte „Lyrik“

Werk

Werkverzeichnis (Bücher)

Prosa

Baum in O. Prosatexte, Erzählungen, Workshop. Wien: Europaverlag 1973.

Tauchübungen. Prosa. Salzburg: Residenz 1974.

Parkmord. Erzählungen. Salzburg: Residenz 1975.

Sistiana. Erzählungen. Salzburg, Wien: Residenz 1976.

Steckenpferde. Erzählungen. Wien: Rhombus 1977.

Am Morgen vor der Reise. Die Geschichte zweier Kinder. Salzburg: Residenz 1978.

Salzburg retour. Trauermusik: Thema und Variationen. Erzählung. Graz, Wien, Köln: Styria 1978.

Tür + Tor. Elemente der Architektur. St. Pölten: Niederösterreichisches Pressehaus 1979. (zusammen mit Johann Kräftner)

Der Vater. Erzählung. Salzburg, Wien: Residenz 1980.

Der Wasserbüffel. Geschichten aus der Provinz. Salzburg, Wien: 1981.

Liebesroman. Salzburg, Wien: Residenz 1983.

Das Herz eines Löwen. Betrachtungen. Salzburg, Wien: Residenz 1985.

Hundegeschichte. Salzburg, Wien: Residenz 1986.

Findhunde. Prosa. Stuttgart: Reclam 1988 (=Reclams Universal-Bibliothek 8517).

Reisefieber. Erzählungen. Salzburg, Wien: Residenz 1988.

Väter. Rinderherden, bewegliche Ziele, Automobile und die Jagd. Graz, Wien: Droschl 1990 (=Essay 5) (gemeinsam mit Wolfgang Siegmund).

Wasserfarben. Salzburg, Wien: Residenz 1991.

Aufnachtung. Einem Holzschnitt und Zeichnungen von Reimo Wukounig. Wien: David-Presse 1992.

Der Winter im Anzug. Sprachspaltereien. Graz, Wien: Styria 1993.

Katzentage. Prosa. Salzburg, Wien: Residenz 1995.

Der Tod meiner Mutter. Salzburg, Wien: Residenz 1997.

Jahrhundertnarben. Über das Nachleben ungewollter Bilder. Salzburg, Wien: Residenz 1999.

Gezählte Tage. Notizen. Salzburg, Wien, Frankfurt: Residenz 2002.

Was schön ist. (Nachwort von Christian Zintzen). Graz, Wien: Droschl 2002 (=Libell 3).

An den Dachstein. Nachwort von Gerhard Zeillinger. Farboffsetlithographie von Helmut Swoboda. Horn: Edition Thurnhof 2002.

Metamorphosen auf Widerruf. Über Musik. Salzburg, Wien: Müller 2003.

Nachtseitiges. Salzburg, Wien: Residenz 2004.

Tanzende. Ein Dilettant über eine schöne Kunst. Graz, Wien: Droschl 2005.

Übereinstimmungen. St. Pölten, Salzburg: Residenz 2006.

Zu jeder Tageszeit. Roman. Salzburg, Wien: Jung und Jung 2007.

Katholisch geblieben. Drei Texte. Innsbruck: Kyrene 2007.

Auf der Wanderschaft. Über das Vergnügen am Gehen. Salzburg, Wien: Otto Müller 2009.

Am Schreibplatz. Salzburg, Wien: Jung und Jung 2010.

Die Liebe eines Dichters. Salzburg: Jung und Jung 2012.

Blickrichtungen. St. Pölten, Wien: Residenz 2013.

 

Lyrik

In der Sprache der Inseln. Gedichte. (Vorwort von Ernst Schönwiese). Salzburg: Otto Müller 1973.

Lichtungen. Gedichte. Salzburg: Otto Müller 1976.    

Liebesgedichte. Salzburg, Wien: Residenz, 1982.

Aufhellungen. Salzburg, Wien: Residenz 1990.

Flugblätter. Gedichte. Salzburg: Otto Müller 1990.

Aufstörung: zwei Prosagedichte. Hamburg: rospo 1998.

Das Eisherz sprengen. Gedichte. Salzburg, Wien: Residenz 1996.

Rohübersetzung. Mondscheiniges über die Liebe. Graz, Wien, Köln: Styria 1999.

Dem Erinnern entrissen. Gedichte. Salzburg, Wien, Leipzig: Müller 2001.

An den Mond. Gedichte. St. Pölten, Salzburg: Residenz im Niederösterreichischen Pressehaus 2008.

Der Schwan. Gedichte. Salzburg: Jung und Jung 2014.

 

Drama

Gralslicht. Ein Theater-Libretto. Salzburg, Wien: Residenz 1994.

Theatralisches. Eine Trinitas. Salzburg, Wien: Otto Müller 2012.

 

Poetik

Zuhörerbehelligungen. Vorlesungen zur Poetik. Graz, Wien: Droschl 1990.

Leserbelästigungen. Graz, Wien: Droschl 1993.

 

Kinderbuch

Roberts Donauschlepper. Illustrationen von Angelika Kaufmann. Weitra: Bibliothek der Provinz, o.J. (Kinderbuch)

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