Friedrich Cerha - Biographie

Friedrich Cerha, Wien 2010 © Herta Hurnaus
Friedrich Cerha, Wien 2010 © Hertha Hurnaus 

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Friedrich Cerha wurde am 17. Februar 1926 in Wien geboren. Im Alter von sieben Jahren erhielt er Geigenunterricht bei Anton Pejhovsky, erste Kompositionsversuche folgten. Ab 1936 besuchte er das Realgymnasium in Wien. 17-jährig leistete er als Luftwaffenhelfer Widerstand, desertierte später zweimal aus der Wehrmacht und überlebte das Kriegsende in den Tiroler Bergen, wo er als Hüttenwirt tätig war. Es folgte die Rückkehr nach Wien.

1946 begann er dort mit dem Studium an der Akademie für Musik und darstellende Kunst (Geige, Komposition und Musikerziehung) sowie den Studien der Germanistik, Musikwissenschaft und Philosophie an der Universität Wien und war als Konzertgeiger und Musiklehrer tätig. 1950 promovierte Friedrich Cerha zum Dr. phil und erhielt 1953 den Förderungspreis der Stadt Wien.

Zwischen 1956 und 1958 wurde seine künstlerische Tätigkeit vor allem durch die Internationale Avantgarde in Darmstadt, den Schönberg-Kreis und durch den »Art-Club« im künstlerischen Untergrund geprägt. Gemeinsam mit Kurt Schwertsik gründete Friedrich Cerha 1958 das Ensemble »die reihe«, wodurch Neuer Musik in Wien ein Forum ermöglicht wurde. Erste Konzerte und Aufführungen der »reihe« folgten. Ab 1959 unterrichtete Friedrich Cerha an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, ab 1960 war er auch verstärkt als Dirigent tätig und feierte internationale Erfolge.

Im Jahr 1962 begann die künstlerische Auseinandersetzung mit dem III. Akt der Oper »Lulu« von Alban Berg. Mit der »Herstellung einer spielbaren Fassung des III. Akts« (UA 1979, Paris) erschloss Friedrich Cerha der Musikwelt ein wesentliches Werk des 20. Jahrhunderts. 1963 erwarb der Komponist ein Domizil in Maria Langegg und war dort umfassend bildnerisch tätig. Aquarelle, Zeichnungen und Skulpturen entstanden.

Zwischen 1968 und 1975 war Friedrich Cerha Präsident der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM). Beim steirischen herbst 1972 wurde der Gesamtzyklus »Spiegel« uraufgeführt. 1974 erhielt er vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst den Auftrag zur Oper »Baal« (nach Bertolt Brecht), 1976 wurde er zum ordentlichen Professor an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst ernannt und leitete bis 1988 eine eigene Klasse, die sich mit der Komposition von Neuer Musik beschäftigte.

Im Jahr 1981 wurde die Oper »Baal« bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt, 1984 begann Friedrich Cerha mit der Komposition der Oper »Der Rattenfänger« nach Carl Zuckmayer, die ein Auftragswerk des steirischen herbstes ist und 1987 am Grazer Opernhaus uraufgeführt wurde. Zahlreiche Auszeichnungen und Preise folgten (1986: Großer Österreichischer Staatspreis für Musik, Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark, Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold, Widmung einer Ausstellung in der Österreichischen Nationalbibliothek).

Im Auftrag des Funkhauses Berlin komponierte Friedrich Cerha zum 200. Todestag Wolfgang Amadeus Mozarts die »Langegger Nachtmusik III«, deren Uraufführung 1991 am Schauspielhaus in Berlin durch das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Friedrich Cerha stattfand.

1992 wurde Friedrich Cerha Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften, 1995 Ehrenmitglied der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik. 1996 folgten zum 70. Geburtstag zahlreiche Konzerte im In- und Ausland.

Im Jahr 1997 beauftragte die Wiener Staatsoper Friedrich Cerha (Musik) und Peter Turrini (Libretto) mit der Schaffung der Oper »Der Riese vom Steinfeld«. 1999 komponierte Friedrich Cerha für das Festival de Música de Canarias den Zyklus »Im Namen der Liebe«, dessen Texte von Peter Turrini stammen. 2002 wurde »Der Riese vom Steinfeld« an der Wiener Staatsoper uraufgeführt und feierte große Erfolge.

Friedrich Cerha erhielt 2005 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und wurde 2006 bei der Musik-Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen für das Lebenswerk ausgezeichnet. Zahlreiche Preise in Österreich folgten. 2007 wurde der Komponist Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, im Jahr 2008 wurde er mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien geehrt.

2009 erwarb das Land Niederösterreich den Vorlass von Friedrich Cerha und am 16. Juni 2010 wurde das Archiv der Zeitgenossen an der Donau-Universität Krems, wo dieser fortan beherbergt sein wird, feierlich eröffnet.

Im November 2010 erhielt Friedrich Cerha den NÖN-Leopold in der Kategorie Kultur, im Dezember 2010 wurde er mit dem Silbernen Komturkreuz des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich ausgezeichnet.

Friedrich Cerha gilt als der bedeutendste zeitgenössische Komponist Österreichs. Am 17. Februar 2011 feiert er seinen 85. Geburtstag, im Zuge dessen im Wiener Konzerthaus ein großes Fest für ihn veranstaltet wird.

Am 13. März 2011 wird Friedrich Cerha mit dem Internationalen Kompositionspreis des Landes Salzburg geehrt. Das Preisträgerkonzert findet im Großen Saal der Internationalen Stiftung Mozarteum statt.

 

Zeittafel:

1926  
Friedrich Cerha wird am 17. Februar in Wien geboren

1933-  
Geigenunterricht bei Anton Pejhovsky, erste Kompositionsversuche

1936  
Besuch des Realgymnasiums in Wien

1943 
er desertierte zweimal aus der Wehrmacht und überlebte das Kriegsende in Tirol

1946  
Beginn der Studien an der Akademie für Musik und darstellende Kunst
(Geige, Komposition und Musikerziehung) sowie an der Universität Wien
(Germanistik, Musikwissenschaft und Philosophie)
Tätigkeit als Konzertgeiger und Musiklehrer

1950 
Promotion zum Dr. phil.

1953  
Förderungspreis der Stadt Wien

1956-1958 
die Internationale Avantgarde in Darmstadt, der Schönberg-Kreis und der »Art-Club« prägen sein künstlerisches Schaffen

1958 
Gründung des Ensembles »die reihe«, gemeinsam mit Kurt Schwertsik

ab 1959 
Lehrtätigkeit an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst

ab 1960 
verstärkte Tätigkeit als Dirigent, internationale Erfolge

ab 1962 
künstlerische Auseinandersetzung mit dem III. Akt der Oper »Lulu« von Alban Berg

1963 
Erwerb des Domizils in Maria Langegg

1968-1975 
Präsident der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM)

1972 
Uraufführung des Gesamtzyklus »Spiegel« beim steirischen herbst

1974 
Auftrag für die Oper »Baal« nach dem Text von Bertolt Brecht
durch das Bundesministerium für Unterricht und Kunst

1976 
Friedrich Cerha wird zum o. Prof. an der Wiener Musikhochschule ernannt

1976-1988 
Leitung einer Kompositionsklasse für neue Musik

1981 
Uraufführung der Oper »Baal« bei den Salzburger Festspielen

1986 
zahlreiche Preise und Auszeichnungen

1987 
Uraufführung der Oper »Der Rattenfänger« nach Carl Zuckmayer
am Grazer Opernhaus (Auftragswerk steirischer herbst)

1992 
Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften

1995 
Ehrenmitglied der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik

1997 
Auftrag zur Komposition der Oper »Der Riese vom Steinfeld«

1999 
Zyklus »Im Namen der Liebe« (Texte von Peter Turrini)

2002 
die Uraufführung »Der Riese vom Steinfeld« am 15. Juni an der Wiener Staatsoper feiert große Erfolge

2005 
Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst

2006 
Goldener Löwe für das Lebenswerk bei der Musik-Biennale in Venedig

2007 
Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

2008 
Goldenes Ehrenzeichen für die Verdienste um das Land Wien

2009 
Erwerb des Vorlasses von Friedrich Cerha durch das Land Niederösterreich

2010 
Eröffnung des Archiv der Zeitgenossen an der Donau-Universität Krems 
NÖN-Leopold in der Kategorie Kultur
Silbernes Komturkreuz des Ehrenzeichens für die Verdienste um das Bundesland Niederösterreich

2011 
Friedrich Cerha feiert am 17. Februar seinen 85. Geburtstag, im Wiener Konzerthaus wird ein großes Fest für ihn veranstaltet

am 13. März wird Friedrich Cerha mit dem Internationalen Kompositionspreis
des Landes Salzburg ausgezeichnet

das Archiv der Zeitgenossen veranstaltet am 16. Juni ein Symposium zum musikdramatischen Werk des Komponisten und zeigt eine Ausstellung zum Thema

das Festival Wien Modern widmet ihm einen Schwerpunkt

 

  

Preise und Auszeichnungen:

 

Förderungspreis der Stadt Wien 1953

Kulturwochenpreis der Stadt Innsbruck 1955

Rom-Stipendium 1957

Förderungspreis der Theodor-Körner-Stiftung 1964

Förderungspreis des Wiener Kunstfonds 1965

Ernennung zum a.o. Professor an der Hochschule für Musik in Wien 1969

Stipendiat des DAAD in Berlin 1970-1971

Förderungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst Wien 1971

Preis der Stadt Wien 1974

Ernennung zum o. Professor an der Wiener Musikhochschule 1976

Würdigungspreis durch das Amt der Niederösterreichischen Landesregierung 1985

Großer Österreichischer Staatspreis für Musik 1986

Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark 1986

Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold 1986

Widmung einer Ausstellung in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien 1986

Ehrenmitglied der Wiener Konzerthausgesellschaft 1988

Erster Preis für das 1. Streichquartett beim ICONS-Wettbewerb in Turin 1992

Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften 1992

Ehrenmitglied der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik 1995

Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst 2005

Goldener Löwe für das Lebenswerk bei der Musik-Biennale in Venedig 2006

Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien 2007

Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien 2008

NÖN-Leopold in der Kategorie Kultur 2010

Silbernes Komturkreuz des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich 2010

Internationaler Kompositionspreis des Landes Salzburg 2011

 

Friedrich Cerha - bisherige AuftraggeberInnen:

 

Bayerischer Rundfunk (BR)

Berliner Festwochen

British Broadcasting Corporation (BBC)

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK)

Concours international de quatuor à cordes d’Evian

Concours international Marguerite Long - Jaques Thibaud

Festival de Música de Canarias

Festival Royan

Festspielhaus St. Pölten

Funkhaus Berlin

Gesellschaft der Musikfreunde Wien

Internationale Bachakademie Stuttgart

Internationale Musikforschungsgesellschaft (IMFG)

Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg (ISM)

Klangspuren Schwaz

Klangforum Wien

Konzerthaus Berlin

Koussevitzky-Foundation New York

Megaron Athen

Mozarteum-Orchester Salzburg

Musica Viva München

Musikalische Jugend Österreichs

Musiktage Mondsee

Norddeutscher Rundfunk (NDR)

Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)

Österreichischer Rundfunk (ORF)

Philharmonie Köln

Radio Bremen (RB)

Saarländischer Rundfunk (SR)

Schömerhaus Klosterneuburg

steirischer herbst

Steirischer Sängerbund

Südwestfunk (SWF)

Südwestrundfunk (SWR)

Tanzatelier Sebastian Prantl

Théâtre Royal de la Monnaie Brüssel

Westdeutscher Rundfunk (WDR)

Wiener Festwochen

Wiener Konzerthausgesellschaft

Wiener Philharmoniker

Wiener Staatsoper 

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