Friedrich Cerha - Biographie

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Friedrich Cerha wurde am 17. Februar 1926 in Wien geboren. Im Alter von sieben Jahren erhielt er Geigenunterricht bei Anton Pejhovsky, erste Kompositionsversuche folgten. Ab 1936 besuchte er das Realgymnasium in Wien. 17-jährig leistete er als Luftwaffenhelfer Widerstand, desertierte später zweimal aus der Wehrmacht und überlebte das Kriegsende in den Tiroler Bergen, wo er als Hüttenwirt tätig war. Es folgte die Rückkehr nach Wien.
1946 begann er dort mit dem Studium an der Akademie für Musik und darstellende Kunst (Geige, Komposition und Musikerziehung) sowie den Studien der Germanistik, Musikwissenschaft und Philosophie an der Universität Wien und war als Konzertgeiger und Musiklehrer tätig. 1950 promovierte Friedrich Cerha zum Dr. phil und erhielt 1953 den Förderungspreis der Stadt Wien.
Zwischen 1956 und 1958 wurde seine künstlerische Tätigkeit vor allem durch die Internationale Avantgarde in Darmstadt, den Schönberg-Kreis und durch den »Art-Club« im künstlerischen Untergrund geprägt. Gemeinsam mit Kurt Schwertsik gründete Friedrich Cerha 1958 das Ensemble »die reihe«, wodurch Neuer Musik in Wien ein Forum ermöglicht wurde. Erste Konzerte und Aufführungen der »reihe« folgten. Ab 1959 unterrichtete Friedrich Cerha an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, ab 1960 war er auch verstärkt als Dirigent tätig und feierte internationale Erfolge.
Im Jahr 1962 begann die künstlerische Auseinandersetzung mit dem III. Akt der Oper »Lulu« von Alban Berg. Mit der »Herstellung einer spielbaren Fassung des III. Akts« (UA 1979, Paris) erschloss Friedrich Cerha der Musikwelt ein wesentliches Werk des 20. Jahrhunderts. 1963 erwarb der Komponist ein Domizil in Maria Langegg und war dort umfassend bildnerisch tätig. Aquarelle, Zeichnungen und Skulpturen entstanden.
Zwischen 1968 und 1975 war Friedrich Cerha Präsident der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM). Beim steirischen herbst 1972 wurde der Gesamtzyklus »Spiegel« uraufgeführt. 1974 erhielt er vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst den Auftrag zur Oper »Baal« (nach Bertolt Brecht), 1976 wurde er zum ordentlichen Professor an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst ernannt und leitete bis 1988 eine eigene Klasse, die sich mit der Komposition von Neuer Musik beschäftigte.
Im Jahr 1981 wurde die Oper »Baal« bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt, 1984 begann Friedrich Cerha mit der Komposition der Oper »Der Rattenfänger« nach Carl Zuckmayer, die ein Auftragswerk des steirischen herbstes ist und 1987 am Grazer Opernhaus uraufgeführt wurde. Zahlreiche Auszeichnungen und Preise folgten (1986: Großer Österreichischer Staatspreis für Musik, Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark, Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold, Widmung einer Ausstellung in der Österreichischen Nationalbibliothek).
Im Auftrag des Funkhauses Berlin komponierte Friedrich Cerha zum 200. Todestag Wolfgang Amadeus Mozarts die »Langegger Nachtmusik III«, deren Uraufführung 1991 am Schauspielhaus in Berlin durch das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Friedrich Cerha stattfand.
1992 wurde Friedrich Cerha Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften, 1995 Ehrenmitglied der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik. 1996 folgten zum 70. Geburtstag zahlreiche Konzerte im In- und Ausland.
Im Jahr 1997 beauftragte die Wiener Staatsoper Friedrich Cerha (Musik) und Peter Turrini (Libretto) mit der Schaffung der Oper »Der Riese vom Steinfeld«. 1999 komponierte Friedrich Cerha für das Festival de Música de Canarias den Zyklus »Im Namen der Liebe«, dessen Texte von Peter Turrini stammen. 2002 wurde »Der Riese vom Steinfeld« an der Wiener Staatsoper uraufgeführt und feierte große Erfolge.
Friedrich Cerha erhielt 2005 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und wurde 2006 bei der Musik-Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen für das Lebenswerk ausgezeichnet. Zahlreiche Preise in Österreich folgten. 2007 wurde der Komponist Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, im Jahr 2008 wurde er mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien geehrt.
2009 erwarb das Land Niederösterreich den Vorlass von Friedrich Cerha und am 16. Juni 2010 wurde das Archiv der Zeitgenossen an der Donau-Universität Krems, wo dieser fortan beherbergt sein wird, feierlich eröffnet.
Im November 2010 erhielt Friedrich Cerha den NÖN-Leopold in der Kategorie Kultur, im Dezember 2010 wurde er mit dem Silbernen Komturkreuz des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich ausgezeichnet.
Friedrich Cerha gilt als der bedeutendste zeitgenössische Komponist Österreichs. Am 17. Februar 2011 feiert er seinen 85. Geburtstag, im Zuge dessen im Wiener Konzerthaus ein großes Fest für ihn veranstaltet wird.
Am 13. März 2011 wird Friedrich Cerha mit dem Internationalen Kompositionspreis des Landes Salzburg geehrt. Das Preisträgerkonzert findet im Großen Saal der Internationalen Stiftung Mozarteum statt.
Zeittafel:
1926
Friedrich Cerha wird am 17. Februar in Wien geboren
1933-
Geigenunterricht bei Anton Pejhovsky, erste Kompositionsversuche
1936
Besuch des Realgymnasiums in Wien
1943
er desertierte zweimal aus der Wehrmacht und überlebte das Kriegsende in Tirol
1946
Beginn der Studien an der Akademie für Musik und darstellende Kunst
(Geige, Komposition und Musikerziehung) sowie an der Universität Wien
(Germanistik, Musikwissenschaft und Philosophie)
Tätigkeit als Konzertgeiger und Musiklehrer
1950
Promotion zum Dr. phil.
1953
Förderungspreis der Stadt Wien
1956-1958
die Internationale Avantgarde in Darmstadt, der Schönberg-Kreis und der »Art-Club« prägen sein künstlerisches Schaffen
1958
Gründung des Ensembles »die reihe«, gemeinsam mit Kurt Schwertsik
ab 1959
Lehrtätigkeit an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst
ab 1960
verstärkte Tätigkeit als Dirigent, internationale Erfolge
ab 1962
künstlerische Auseinandersetzung mit dem III. Akt der Oper »Lulu« von Alban Berg
1963
Erwerb des Domizils in Maria Langegg
1968-1975
Präsident der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM)
1972
Uraufführung des Gesamtzyklus »Spiegel« beim steirischen herbst
1974
Auftrag für die Oper »Baal« nach dem Text von Bertolt Brecht
durch das Bundesministerium für Unterricht und Kunst
1976
Friedrich Cerha wird zum o. Prof. an der Wiener Musikhochschule ernannt
1976-1988
Leitung einer Kompositionsklasse für neue Musik
1981
Uraufführung der Oper »Baal« bei den Salzburger Festspielen
1986
zahlreiche Preise und Auszeichnungen
1987
Uraufführung der Oper »Der Rattenfänger« nach Carl Zuckmayer
am Grazer Opernhaus (Auftragswerk steirischer herbst)
1992
Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften
1995
Ehrenmitglied der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik
1997
Auftrag zur Komposition der Oper »Der Riese vom Steinfeld«
1999
Zyklus »Im Namen der Liebe« (Texte von Peter Turrini)
2002
die Uraufführung »Der Riese vom Steinfeld« am 15. Juni an der Wiener Staatsoper feiert große Erfolge
2005
Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst
2006
Goldener Löwe für das Lebenswerk bei der Musik-Biennale in Venedig
2007
Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien
2008
Goldenes Ehrenzeichen für die Verdienste um das Land Wien
2009
Erwerb des Vorlasses von Friedrich Cerha durch das Land Niederösterreich
2010
Eröffnung des Archiv der Zeitgenossen an der Donau-Universität Krems
NÖN-Leopold in der Kategorie Kultur
Silbernes Komturkreuz des Ehrenzeichens für die Verdienste um das Bundesland Niederösterreich
2011
Friedrich Cerha feiert am 17. Februar seinen 85. Geburtstag, im Wiener Konzerthaus wird ein großes Fest für ihn veranstaltet
am 13. März wird Friedrich Cerha mit dem Internationalen Kompositionspreis
des Landes Salzburg ausgezeichnet
das Archiv der Zeitgenossen veranstaltet am 16. Juni ein Symposium zum musikdramatischen Werk des Komponisten und zeigt eine Ausstellung zum Thema
das Festival Wien Modern widmet ihm einen Schwerpunkt
Preise und Auszeichnungen:
Förderungspreis der Stadt Wien 1953
Kulturwochenpreis der Stadt Innsbruck 1955
Rom-Stipendium 1957
Förderungspreis der Theodor-Körner-Stiftung 1964
Förderungspreis des Wiener Kunstfonds 1965
Ernennung zum a.o. Professor an der Hochschule für Musik in Wien 1969
Stipendiat des DAAD in Berlin 1970-1971
Förderungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst Wien 1971
Preis der Stadt Wien 1974
Ernennung zum o. Professor an der Wiener Musikhochschule 1976
Würdigungspreis durch das Amt der Niederösterreichischen Landesregierung 1985
Großer Österreichischer Staatspreis für Musik 1986
Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark 1986
Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold 1986
Widmung einer Ausstellung in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien 1986
Ehrenmitglied der Wiener Konzerthausgesellschaft 1988
Erster Preis für das 1. Streichquartett beim ICONS-Wettbewerb in Turin 1992
Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften 1992
Ehrenmitglied der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik 1995
Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst 2005
Goldener Löwe für das Lebenswerk bei der Musik-Biennale in Venedig 2006
Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien 2007
Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien 2008
NÖN-Leopold in der Kategorie Kultur 2010
Silbernes Komturkreuz des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich 2010
Internationaler Kompositionspreis des Landes Salzburg 2011
Friedrich Cerha - bisherige AuftraggeberInnen:
Bayerischer Rundfunk (BR)
Berliner Festwochen
British Broadcasting Corporation (BBC)
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK)
Concours international de quatuor à cordes d’Evian
Concours international Marguerite Long - Jaques Thibaud
Festival de Música de Canarias
Festival Royan
Festspielhaus St. Pölten
Funkhaus Berlin
Gesellschaft der Musikfreunde Wien
Internationale Bachakademie Stuttgart
Internationale Musikforschungsgesellschaft (IMFG)
Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg (ISM)
Klangspuren Schwaz
Klangforum Wien
Konzerthaus Berlin
Koussevitzky-Foundation New York
Megaron Athen
Mozarteum-Orchester Salzburg
Musica Viva München
Musikalische Jugend Österreichs
Musiktage Mondsee
Norddeutscher Rundfunk (NDR)
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Österreichischer Rundfunk (ORF)
Philharmonie Köln
Radio Bremen (RB)
Saarländischer Rundfunk (SR)
Schömerhaus Klosterneuburg
steirischer herbst
Steirischer Sängerbund
Südwestfunk (SWF)
Südwestrundfunk (SWR)
Tanzatelier Sebastian Prantl
Théâtre Royal de la Monnaie Brüssel
Westdeutscher Rundfunk (WDR)
Wiener Festwochen
Wiener Konzerthausgesellschaft
Wiener Philharmoniker
Wiener Staatsoper

*1926, Wien, österreichischer Komponist und Dirigent
*1944, Sankt Margarethen im Lavanttal, österreichischer Schriftsteller. 