Alfred Schlee

Bestand

Mit dem Nachlass des einflussreichen Verlegers Alfred Schlee (1901-1999) wurde der erste Nachlassbestand an das Archiv der Zeitgenossen übergeben. Die Sammlung beinhaltet neben Lebensdokumenten zahlreiche Korrespondenzen von namhaften KomponistInnen und KünstlerInnen des 20. Jahrhunderts, musikalische Autographen sowie Musikdrucke und Bücher mit autographen Widmungen sowie Materialien zum modernen Tanz des frühen 20. Jahrhunderts. Zudem wurde ein Schreibtisch aus dem Vorbesitz Ernst Kreneks sowie ein Flügel aus dem Vorbesitz des Komponisten Anton von Webern übernommen.

Nachlass Alfred Schlee

Zeitraum: 1945 - 2001

Werke:

  • Texte, Reden, Essays

Korrespondenz:

  • Briefe von und an Alfred (und Margarethe) Schlee
  • Kondolenzschreiben
  • Korrespondenz anläßlich des Gedenkkonzertes zum 100. Geburtstag Alfred Schlees

Lebensdokumente:

  • Kalender (1945-1995)

Sammlungen:

  • Texte
  • Manuskripte von Kompositionen
  • Partituren und Noten
  • Programmhefte
  • Fotografien
  • Pressedokumentation
  • Verlagsmaterial
  • Sekundärliteratur
  • Diverse Objekte

Katalogsuche

Der Bestand des Archivs der Zeitgenossen wird laufend im Österreichischen Verbundkatalog für Nachlässe und Handschriften erfasst. Für die Suche nach Materialien, die noch nicht erschlossen wurden, ersuchen wir um Kontaktaufnahme. Digitalisierte Bestandsmaterialien (einschließlich AV-Medien) können auf elektronischem Weg übermittelt werden.

Kontakt:

Mag. Brigitta Potz, MAS

Biografie

Alfred Schlee wurde am 19. November 1901 in Dresden geboren. Nach Absolvierung des Vitzthumschen Gymnasiums in seiner Geburtsstadt besuchte er für ein halbes Jahr die Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus in Hellerau. Während seiner Jugend privater Unterricht in Klavier, Violoncello und Musiktheorie, danach Studien in Musikwissenschaft, Komposition, Philosophie und Theaterwissenschaft in München und Leipzig. Der Studienabschluss an der Universität Wien wurde durch eine schwere Erkrankung seines Vaters und daraus resultierende finanzielle Schwierigkeiten verhindert. In der Folge arbeitete Alfred Schlee als Pianist auf Tourneen der Tänzerinnen Mary Wigman und Yvonne Georgi, für die er teils auch selbst die Musik komponierte. Daneben betätigte er sich als Kritiker im Tanzbereich. Im Herbst 1925 folgte das erste Engagement als Regieassistent am Fürstlich Reußischen Theater in Gera, zur nächsten Spielzeit wurde Schlee Dramaturg und Korrepetitor am Stadttheater Münster.

Ab 1927 erster Kontakt mit dem Wiener Verlag Universal Edition zunächst durch redaktionelle Mitarbeit, seit Beginn der 1930er-Jahre Repräsentant der Universal Edition in Berlin. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Deutschen Reich konnte Schlee ab 1933 vielfach zwischen den Interessen des Verlags und den Ansprüchen der NS-Kulturpolitik vermitteln.

1938–1945 arbeitete Schlee zunächst neben dem offiziell bestellten kommissarischen Leiter Ernst Geutebrück, dann unter dem neuen Hauptgesellschafter Johannes Petschull im arisierten Stammhaus der Universal Edition in Wien. In dieser Zeit war er entscheidend für die Rettung wesentlicher Bestände des Unternehmens verantwortlich. Nach Kriegsende übernahm Schlee als öffentlicher Verwalter bis 1947 die Leitung des Verlags. Als prominente Persönlichkeit im Wiener Musikleben gehörte er seit Februar 1946 auch der Direktion der Wiener Konzerthausgesellschaft an, eine Position, in der er sich ebenfalls mit Nachdruck für die Förderung des zeitgenössischen Schaffens einsetzte. Im selben Jahr wurde er Vorstandsmitglied der Urheberrechtsgesellschaft AKM und die Österreichische Staatsbürgerschaft wurde ihm zuerkannt. Ab 1951 bildete er mit Alfred Kalmus und Ernst Hartmann den Verlagsvorstand der Universal Edition. Bis zu seinem Rückzug ins Privatleben 1985 galt sein primärer Aufgabenbereich dem Produktionsprogramm.

Die durch Schlees Initiative dem Verlag verbundenen Komponisten sind u.a. Gilbert Amy, Hans Erich Apostel, Theodor Berger, Luciano Berio, Harrison Birtwistle, Pierre Boulez, Francis Burt, Friedrich Cerha, Luigi Dallapiccola, Edison Denissow, Gottfried von Einem, Beat Furrer, Cristóbal Halffter, Roman Haubenstock-Ramati, Anton Heiller, Mauricio Kagel, Ernst Krenek, Ladislav Kupkovič, György Kurtág, Rolf Liebermann, György Ligeti, Frank Martin, Bohuslav Martinů, Olivier Messiaen, Arvo Pärt, Mario Peragallo, Henri Pousseur, Wolfgang Rihm, Karl Schiske, Alfred Schnittke, Rodion Schtschedrin, Kurt Schwertsik, Karlheinz Stockhausen, Jenő Takács, Alfred Uhl und Hans Zender.

Alfred Schlee gab die Initiative zu den wissenschaftlichen Gesamtausgaben von Arnold Schönberg und Alban Berg, zur Publikation der von Friedrich Cerha vervollständigten Fassung von Alban Bergs „Lulu“ und bemühte sich um die "Wiederentdeckung" der Komponisten Franz Schreker und Alexander von Zemlinsky.

Der Musikwissenschaftler, Theaterwissenschaftler und Musikverleger Alfred Schlee verstarb am 16. Februar 1999 in Wien.