Literaturarchiv Niederösterreich

Vor- und Nachlässe

W. H. Auden

* 1907 York/GB + 1973 Wien

W. H. Auden war einer der bedeutendsten Lyriker englischer Sprache des 20. Jahrhunderts. Bereits in den 1930ern zählte er zu den prägenden literarischen Stimmen einer neuen Generation. Nach beruflichen Einsätzen als Lehrer in Schottland und Wales sowie nach Reisen durch Island und China übersiedelte Auden vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nach Amerika und unterrichtete dort an diversen Universitäten. Ab 1948 pendelte er halbjährlich zwischen den USA und Europa, zunächst zwischen New York und Ischia/Italien. Ab 1958 verbrachte er seine Sommermonate im niederösterreichischen Kirchstetten. Auden erhielt für sein Werk zahlreiche Preise, u. a. den Pulitzer-Preis (1948), den Antonio-Feltrinelli-Preis (1957) sowie den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur (1966). Auden starb am 29.9.1973 nach einer Lesung in Wien. In den Räumlichkeiten seines Hauses in Kirchstetten wurde 1995 ein Museum eingerichtet, das 2015 einer grundlegenden Neugestaltung unterzogen wurde.

1988 erwarb das Land Niederösterreich den an seinem Wohnsitz verbliebenen Teilnachlass.


Zdenka Becker

* 1951 Cheb/CSSR

Zdenka Becker wuchs in Bratislava auf und studierte an der dortigen Wirtschaftsuniversität Ökonomie. 1974 übersiedelte sie nach der Heirat mit dem Österreicher Leo Becker nach Österreich. Seit 1983 lebt sie mit ihrer Familie in St. Pölten-Radlberg. 1986 schrieb und publizierte sie auf Deutsch, zunächst journalistische Texte, bald auch literarische Werke. Becker begann als Autorin fürs Theater, ihr dramatische Oeuvre umfasst mehr als ein Dutzend Stücke. Neben Lyrik publizierte Becker auch Romane und Erzählungen. Ihre Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, zudem übersetzt sie selbst aus dem Slowakischen, Tschechischen und Russischen ins Deutsche und aus dem Deutschen ins Slowakische. 2014 erhielt sie den Würdigungspreis für Literatur des Landes Niederösterreich.

Der Vorlass wurde 2020 erworben.


Georg Bydlinski

* 1956 Graz

Der Lyriker und Kinder-/Jugendbuchautor Georg Bydlinski wuchs im Rheinland sowie im Wiener Umland auf, studierte Anglistik und Religionspädagogik in Wien und lebt mit seiner Familie in Mödling. Dort begründete er 1985 den Kleinverlag edition umbruch, den er gemeinsam mit Franz Rinner über zehn Jahre lang betrieb. Bydlinski veröffentlichte bislang rund 80 Bücher und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Österreichischen Staatspreis für Kinderlyrik und den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis. Georg Bydlinski lebt in Mödling.


Karl Farkas

* 1893 Wien + 1971 Wien

Karl Farkas wuchs als Sohn ungarischstämmiger Eltern in Wien-Alsergrund auf und entdeckte früh seine Leidenschaft fürs Theater. Er studierte an der Akademie für Musik und darstellende Kunst und arbeitete ab 1921 als Schauspieler und Regisseur. Im Rahmen seiner Auftritte im Kabarett Simpl erlangte er erste Bekanntheit durch die Doppelconférencen mit seinem Partner Fritz Grünbaum. In der Zwischenkriegszeit avancierte er zu einem Star der Wiener Kleinkunst- und Kabarettszene. 1938 musste er aufgrund seiner jüdischen Abstammung aus Wien fliehen und gelangte über Frankreich und Portugal in die USA, wo er bis 1946 durch Engagements in der Exil-Community überlebte. Nach seiner Rückkehr nach Wien trat er ab 1950 wieder im Simpl auf und wurde schließlich durch die TV-Aufzeichnungen der Simpl-Shows an der Seite seines Partners Ernst Waldbrunn zu einem der ersten Fernsehstars der Nachkriegszeit. Privat hielt er sich in seinem bereits 1928 erworbenen Haus in Dörfl bei Reichenau an der Rax auf, das er nach einem langwierigen Restitutionsverfahren nach dem Krieg wieder zugesprochen erhielt.

Der Nachlass von Karl Farkas wurde in drei Tranchen zwischen 2008 und 2021 vom Land Niederösterreich erworben.


Emma Feiks (Ps. Emmy Feiks-Waldhäusl)

* 1899 Pottenbrunn + 1975 Wilhelmsburg

Emmy Feiks-Waldhäusl wurde in Pottenbrunn geboren und verlebte dort ihre Kindheit. 1926 übersiedelte die Familie nach Kreisbach bei Wilhelmsburg. Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte unterrichtete sie als Lehrerin an Wiener Mädchenschulen. Seit ihrer Pensionierung lebte sie wieder zeitweise in Wilhelmsburg. In ihren literarischen Arbeiten thematisierte sie die Geschichte ihrer näheren Umgebung: Im Roman Spielmann von Pottenbrunn (1946) zeichnete sie ein Bild ihres Geburtsortes aus der Waldenserzeit im 14. Jahrhundert, in Das Leben am Strom (1949) beschrieb sie das Donauland zur Völkerwanderungszeit. 1964 wurde sie mit dem Kulturpreis des Landes Niederösterreich ausgezeichnet.


Alfred Gesswein

* 1911 Ungarisch-Altenburg + 1983 Wien

Alfred Gessweins Familie übersiedelte 1914 nach Wien, wo er aufwuchs und den graphischen Lehrgang besuchte. Er arbeitete als Gebrauchsgraphiker und verfasste seit dem Alter von 16 Jahren auch Gedichte. Mit Kriegsbeginn wurde er als Soldat zur Wehrmacht eingezogen und kam in Polen, Russland und am Balkan zum Einsatz. Nach seiner Rückkehr lebte er mit seiner Familie zunächst in Langenzersdorf und übersiedelte schließlich nach Wien-Landstraße, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1983 lebte. Gemeinsam mit Alois Vogel, Wilhelm Szabo, Ilse Tielsch und anderen gründete er 1970 den Literaturkreis Podium im Schloss Neulengbach und entwarf das Logo für die seit 1971 erscheinende gleichnamige Literaturzeitschrift. Literarisch wurde er vor allem für sein umfangreiches lyrisches Schaffen wahrgenommen, zudem verfasste er Hörspiele und Kurzprosa. Von 1993 bis 2009 vergab der Literaturkreis Podium einen nach Gesswein benannten biennalen Literaturpreis, der seit 2012 als „Alois-Vogel-Literaturpreis“ seine Fortsetzung findet.


Friedrich Hahn

* 1952 Merkengersch/Waldviertel

Friedrich Hahn wuchs im Waldviertel auf und arbeitete nach der Matura als Bankkaufmann, später als Kommunikationsdesigner. Seit 1968 ist er literarisch und künstlerisch tätig. Hahn publizierte bislang ca. 30 Bücher (Gedichte, Kurzprosa, Romane), verfasste zahlreiche Hörspiele und arbeitete seit den 1970ern für diverse Literaturvereine und -zeitschriften (u. a. Podium, pult, Limes). Er ist auch als bildender Künstler tätig und nahm 1987 am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teil.

Sein Vorlass wurde 2019 vom Land Niederösterreich erworben.


Ilse Helbich

*1923 Wien

Ilse Helbich wuchs als Tochter eines Bauunternehmers in Wien auf und wurde in ihrer Jugend von der katholischen Reformbewegung des Neuland-Bundes geprägt. Ihr Studium der Germanistik schloss sie 1947 mit einer Arbeit über den Barockdichter Johannes Beer ab. Anschließend absolvierte sie eine Lehre als Buchhandels- und Verlagskauffrau und arbeitete in diesem Bereich. Nach ihrer Heirat mit dem Wirtschaftsjuristen Franz Helbich zog sie fünf Kinder groß. In den 1960ern verfasste sie Drehbücher fürs Fernsehen (Fenstergucker) und ab den frühen 1970ern regelmäßig Beiträge für das Feuilleton der Tageszeitung Die Presse. In den späten 1980ern zog sie in ein altes Haus in Schönberg am Kamp, das sie renovieren ließ, und widmete sich ihrem literarischen Schaffen. 2003 erschien ihr autobiographischer Debütroman Schwalbenschrift, gefolgt von einer Erzählung über ihr Haus in Schönberg (Das Haus, 2009). Ihr publiziertes Werk umfasst mittlerweile mehr als 10 Bände mit Prosa, Essay und Lyrik. Ilse Helbich wurde 2018 mit dem Niederösterreichischen Kulturpreis in der Sparte Literatur ausgezeichnet.

Der Vorlass der Autorin wurde 2017 vom Land Niederösterreich erworben.


Helga Köcher

* 1941 Waidhofen/Ybbs

Helga Köcher wuchs in Waidhofen an der Ybbs auf und entwickelte früh ein künstlerisches Talent im Bereich Zeichnen und Malen. Zwischen 1955 und 1957 besuchte sie auf Einladung ihres Großonkels Oskar Kokoschka dessen „Schule des Sehens“ in Salzburg. Eine frühe Heirat (1960) und die Geburt von vier Kindern legte Köcher zunächst auf das Dasein als Mutter und Hausfrau fest. 1973 initiierte sie die zivilgesellschaftliche Aktion „Mut zur Demokratie“. 1976–1978 arbeitete sie als Lokalredakteurin der Niederösterreichischen Nachrichten, 1978 trennte sie sich von ihrem Mann, zog mit den Kindern nach Wien und begann in Galerien zu arbeiten. Ab 1980 war sie als Korrespondentin und Redakteurin diverser internationaler Kunstzeitschriften tätig (u. a. du, Kunstforum International, Artefactum). Helga Köcher versteht ihre publizistische und aktivistische Arbeit als „Sozialskulptur“ in der Nachfolge von Joseph Beuys. Weitere wichtige Stationen ihrer Arbeit sind die Initiative „Emergence of Projects“ sowie das künstlerisch-wissenschaftliche Netzwerk „ViennAvant“, das sich der Beschäftigung mit den Wiener Avantgarden widmet.

Helga Köchers Archiv wurde 2018 als Schenkung übernommen.


Eduard Kranner

* 1893 Wien + 1977 Eggenburg

Eduard Kranner wuchs in Krems auf und maturierte dort am Piaristengymnasium. Anschließend inskribierte er an der Hochschule für Bodenkultur, wurde aber 1914 zum Militärdienst eingezogen. Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Wien sowie zwischen 1931 und 1935 Germanistik und Philosophie. Durch seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft Gothia und die Bekanntschaft mit dem Literaturwissenschaftler Josef Nadler erfuhr Kranner seine literarisch-politische Sozialisation im völkischen Umfeld. Als Bürgermeister der Stadt Eggenburg während des Zweiten Weltkrieges war er auch in die NS-Bürokratie involviert. Sein Roman Storchenburg und sein Knecht erschien 1939 im arisierten Saturn-Verlag (vormals Phaidon-Verlag). Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Kranner dem nationalistisch-völkischen Milieu verbunden, wie etwa seine Mitgliedschaft beim rechtsextremen Verein „Dichterstein Offenhausen" dokumentiert.


Emmerich Lang

* 1941 Kemeten/Burgenland + 2006 Maria Roggendorf

Emmerich Lang wuchs im Burgenland auf und arbeitete nach der Matura zunächst als Postbediensteter in Wien, später als Berufsberater in Hollabrunn sowie als Erzieher und Erziehungsleiter im Caritasheim Retz, nachdem er berufsbegleitend die Akademie für Sozialarbeit in Wien absolviert hatte. Seit 1966 lebte er in Maria Roggendorf im Weinviertel. Nach ersten literarischen Versuchen als Gymnasiast veröffentlichte Lang ab 1965 in Zeitschriften, Anthologien sowie im Rundfunk vor allem Lyrik, aber auch Fabeln, Märchen, Kurzgeschichten und Aphorismen. Für den ORF verfasste er zwei Hörspiele für Erwachsene und 32 Hörspiele für Kinder. 1977 erhielt er den Förderungspreis für Literatur des Landes Burgenland, 1992 den Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich.


Matthias Mander

*1933 in Graz

Matthias Mander (eigentlich: Harald Mandl) wuchs in der Steiermark auf und absolvierte die Handelsakademie in Graz. Ab 1952 arbeitete er als Hilfsbuchhalter in einer Stahlfabrik und begann zu dieser Zeit auch Kurzprosa in Zeitschriften zu veröffentlichen. 1978 erhielt Mander einen Lehrauftrag an der Wiener WU, den er bis 1997 ausübte. Ab 1979 erschienen bei Styria mehrere Romane und Erzählbände, ab 2001 die große Garanas-Romantrilogie im Czernin-Verlag. 1963 erhielt Mander den Peter-Rosegger-Förderungspreis, 1980 den Anton-Wildgans-Literaturpreis und 1991 den Literaturpreis des Landes Niederösterreich. Mander lebt in Seyring.

Manders Vorlass wurde im Jahr 2015 erworben.


Carl Merz

* 1906 Kronstadt/Siebenbürgen + 1979 Wien

Carl Merz (eigentlich: Carl Czell) wuchs in Bukarest und Wien auf und studierte ab 1924 an der Hochschule für Welthandel in Wien. Neben dem Studium verfasste er dramatische Szenen und trat als Interpret von Wedekind-Chansons auf. Nach kurzen Engagements in Deutschland spielte er ab 1933 regelmäßig in der „Literatur am Naschmarkt“. Auch nach dem sogenannten Anschluss trat er an österreichischen und deutschen Bühnen auf. Nach dem Kriegsende spielte er im „Lieben Augustin“, dessen Leitung er 1946/47 innehatte. Dort lernte er Helmut Qualtinger und durch ihn Gerhard Bronner und Michael Kehlmann kennen, mit denen gemeinsam er das „namenlose Ensemble“ gründete. Sein bis heute bekanntestes Werk ist das Fernsehspiel Der Herr Karl (1961), das er zusammen mit Qualtinger verfasste. Nach zwei Schlaganfällen unheilbar krank, nahm Merz sich 1979 das Leben.

Der Nachlass von Carl Merz wurde 2008 erworben.


Annemarie E. Moser

* 1941

Annemarie Moser absolvierte nach der Grundschule eine Bürolehre und war bis 1979 als Buchhalterin tätig. Nach ersten Veröffentlichungen in den späten 1970ern und ersten Preisen und Würdigungen gab Moser ihren Brotberuf auf und arbeitete als freie Schriftstellerin. Ihr Werk umfasst Prosa und Lyrik. 1987 erhielt Moser den Kulturpreis für Literatur der Stadt Wiener Neustadt, 1996 den Würdigungspreis für Literatur des Landes Niederösterreich. Moser lebt in Wr. Neustadt.

Der Vorlass Annemarie Mosers wurde in zwei Tranchen 2006 und 2013 erworben.


Janko Musulin

* 1916 Wien + 1978 Ober-Grafendorf

Janko Musulin war der Sohn von Alexander v. Musulin-Gomirje, jenem dipolmatischen Schreiber des Kaisers Franz Joseph II, der im Jahr 1914 das Ultimatum an Serbien formulierte. Janko Musulin war während des 2. Weltkriegs im Widerstand tätig. Der Sachbuchautor, Essayist und Publizist arbeitete nach 1945 als Zeitungskommentator und -korrespondent, 1958–64 in der Leitung des S.-Fischer-Verlags, 1965–69 im Verlag F. Molden, danach bei der Presse und beim ORF.

Sein Nachlass wurde im Jahr 2021/22 als Schenkung übernommen.


Stella Musulin

* 1915 Dale/Wales + 1996 Ober-Grafendorf

Stella Musulin stammte aus einer walisischen Adelsfamilie und gelangte erstmals in den 1930ern als Mitarbeiterin der britischen Botschaft nach Wien. Nach dem Einmarsch der Nazis im März 1938 wurde sie evakuiert und verbrachte die Kriegszeit in London. Nach dem Kriegsende kehrte sie nach Österreich zurück und heiratete ihren Verlobten Janko Musulin. Ab den späten 1940er-Jahren arbeitete sie als Publizistin für diverse Medien (Presse, Furche, Salzburger Nachrichten sowie englischsprachige Medien) mit Schwerpunkt auf historisch-politischen und religionsgeschichtlichen Themen. Durch ihre Freundin Christiane Zimmer-Hofmannsthal kam sie 1959 in Kontakt zu W. H. Auden und wurde zu dessen engster Vertrauter in Österreich.

Ihr Nachlass wurde 2021/22 als Schenkung übernommen und enthält u. a. eine Sammlung von Briefen von Auden.


Erwin Riess

* 1957 in Krems

Erwin Riess wuchs in Krems auf und studierte später in Wien Publizistik und Politikwissenschaften. Nach mehreren Operationen aufgrund eines Tumors an der Wirbelsäule wurde Riess querschnittgelähmt und ist seither an den Rollstuhl gebunden. Nach dem Studienabschluss arbeitete er für das Wirtschaftsministerium als wissenschaftlicher Referent für behindertengerechtes Bauen. Riess engagiert sich als Aktivist für die Gleichstellung behinderter Menschen in Österreich. Nach essayistischen Veröffentlichungen in den 1990er Jahren erschien 2000 der erste von bislang sieben Romanen rund um den Protagonisten Groll, einen Rollstuhlfahrer, der vor dem Hintergrund komplexer zeitgeschichtlicher Konstellationen Kriminalfälle löst. Riess erhielt 1992 das Hans-Weigel-Literaturstipendium, 1997 das Wiener Autorenstipendium sowie 2002 den Würdigungspreis für Literatur des Landes Niederösterreich. Erwin Riess lebt in Wien.

Der Vorlass von Erwin Riess wurde 2018 erworben.


Walter Sachs

* 1901 Traisen + 1985 Lilienfeld

Walter Sachs wuchs als Sohn eines Arbeiters in ärmlichsten Verhältnissen auf. Er arbeitete als Hauptschullehrer und später als Schuldirektor in seiner Heimatgemeinde. Zu Beginn der 1930er-Jahre war er Mitglied der „Roten Spieler von Traisen“, einem sozialdemokratisch orientierten Kabarett. 1933 publizierte er seinen ersten Lyrikband Von Wäldern und Schloten, in dem die Auseinandersetzung mit der sozialen Wirklichkeit der Arbeiterschaft und den Effekten der Industrialisierung im ländlichen Raum im Fokus steht. Sachs’ Rolle in der NS-Zeit war ambivalent: Trotz seiner anders gearteten politischen Vorgeschichte trat er in die Partei ein und hatte in seinem Heimatort auch offizielle Funktionen inne. Nach Kriegsende war er deswegen einem Entnazifizierungsverfahren ausgesetzt, das jedoch ergebnislos verlief. 1963 erhielt er den Würdigungspreis für Literatur des Landes Niederösterreich.


Ilse Tielsch

* 1929 Auspitz

In Südmähren geboren, flüchtete Ilse Tielsch 1945 nach Österreich, lebte in Linz und Wien. Die promovierte Germanistin war, anfangs unter dem Doppelnamen Tielsch-Felzmann, ab den 1950er Jahren publizistisch tätig. Zentral für ihr Werk ab den 1970er Jahren, das Prosa, Lyrik, Essays, Reiseberichte und Rundfunkbeiträge umfasst, ist das Thema Heimatverlust, insbesondere die Geschichte der Sudetendeutschen-Vertreibung. Sie war Mitbegründerin des Literaturkreises PODIUM und erhielt zahlreiche Preise, so z.B. 1971 den Förderungspreis des Landes Niederösterreich für Literatur und 2017 den Franz-Theodor-Csokor-Preis für das Lebenswerk. Ilse Tielsch lebt in Wien.


Andreas Weber

* 1961 Horn

Andreas Weber studierte Germanistik und Geschichte an der Uni Wien. Er arbeitet als Lehrer und Journalist sowie als Herausgeber und Filmemacher. Weber gab wichtige Publikationen zu den niederösterreichischen Autoren Fritz Habeck und Hermann Gail heraus und reüssierte mit einem Dokumentarfilm über den ehemaligen argentinischen Weltklasse-Fußballer Mario Kempes. Sein literarisches Werk umfasst Kurzprosa, Romane und Drehbücher. Andreas Weber lebt in Linz.


Josef Weber

* 1892 Gmünd + 1969 St. Gilgen am Wolfgangsee

Josef Weber (eigentlich: Wenzlitzke) wuchs in Gmünd als Sohn des Direktors einer Zuckerfabrik auf und studierte später Medizin in Wien. Im Ersten Weltkrieg kam er als Soldat in russische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr beendete er das Medizinstudium und arbeitete als praktischer Arzt in Wilhelmsburg. Noch vor dem Einmarsch der Nazis in Österreich trat er der NSDAP bei. Im Zweiten Weltkrieg diente Wenzlitzke als Arzt im Rang eines Hauptmanns in der Deutschen Wehrmacht in Sankt Pölten und Neulengbach. 1945 geriet er in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft. Seit 1950 arbeitete er als Arzt in Mautern, danach in Stein in Krems an der Donau. 1962 erhielt Josef Wenzlitzke den Kulturpreis für Dichtkunst des Landes Niederösterreich, 1963 die Goldene Ehrennadel der Stadt Krems.


Bruno Weinhals

* 1954 Horn + 2006 Wien

Bruno Weinhals verbrachte seine Kindheit in Stockerau. Nach der Matura übersiedelte er nach Wien, um sein Studium am Dolmetsch-Institut aufzunehmen. Bereits in den späten 1970ern begann er als freier Autor u. a. in der Wiener Stadtzeitung Falter, in der Literaturzeitschrift pult und anderen Publikationen seine Texte zu veröffentlichen. Sein Werk umfasst Lyrik, Prosatexte, Hörspiele, Essays zur Poetik und einige Theaterstücke. Buchpublikationen (u. a.): Fabulierbuch (2000), Alle Namen der Welt (1984), Die Entdecker (1983).

Der Nachlass von Bruno Weinhals wurde 2011 erworben.