Ehrendoktorat der mdw für Gertraud Cerha

Seit vielen Jahrzehnten zählt Gertraud Cerha zu den Zentralfiguren der Neue Musik-Szene in Österreich: Als Akteurin, Beobachterin und Vermittlerin avancierte sie über Jahrzehnte zu einer wichtigen Expertin für musikkulturelle Entwicklungen in Österreich nach 1945 und ist in diesem Zusammenhang auch heute noch eine gefragte Referentin und Autorin. Mit der Verleihung des Ehrendoktorats würdigt die mdw die international anerkannten Leistungen von Gertraud Cerha in den an der Universität für Musik und darstellende Kunst vertretenen wissenschaftlichen Bereichen Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Musikvermittlung. 

Im Rahmen eines feierlichen Festakts zeichnete Archivmitarbeiterin Gundula Wilscher gemeinsam mit Nikolaus Urbanek (Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung) die Lebensstationen von Gertraud Cerha anhand ausgewählter Materialien aus dem Vorlass nach. Während Urbanek vor allem Cerhas musikwissenschaftliche Beiträge würdigte, hob Wilscher die Bedeutung der im Archiv der Zeitgenossen befindlichen Dokumente Gertraud Cerhas hervor: „Traude Cerha ist keine unsichtbare Persönlichkeit, ihre gesellschaftlichen Beiträge wurden bereits vielfach gewürdigt. Einige Aspekte ihres Wirkens sind dennoch in der allgemeinen Wahrnehmung noch unterrepräsentiert, obwohl schon ein flüchtiger Blick in die Archivboxen ihres Vorlasses erahnen lässt, wie umfangreich ihre intellektuelle Tätigkeit in allen Bereichen ihres Wirkens war und ist. Einige Beispiele dafür konnten wir heute schon zeigen, Vieles werden wir in den nächsten Jahren noch entdecken dürfen.“ 

Nach den Ansprachen von Rektorin Ulrike Sych und dem Senatsvorsitzenden Markus Grassl wies Gertraud Cerha auf die fruchtbare Zusammenarbeit mit ihrem Mann Friedrich Cerha hin und dankte für die Auszeichnung: „Ich selbst habe dank meiner langen Lebenserfahrung heute die Möglichkeit, was ich getan und nicht getan habe, kritisch zu sehen und entsprechend einzuordnen und zu bewerten. Dass eine jüngere Generation von Musikwissenschaftlern offenbar ein Interesse daran hat, sich weiter damit auseinanderzusetzen, ist für mich schön und ich danke der altehrwürdigen Institution, die ich als ,Akademie für Musik‘ in der Lothringerstraße vor 79 Jahren zum ersten Mal betreten habe und an der eine Veranstaltung wie diese unvorstellbar gewesen wäre, dass sie mir die große Ehre erwiesen hat, mir einen Doktortitel der heutigen ,mdw‘ zu verleihen.“  

Der Vorlass von Gertraud Cerha befindet sich seit 2024 im Archiv der Zeitgenossen.